Von der 5 in Kunst entspannt zum Weltmeister im Bodypainting

Von Ann-Sophie Gruber und Felix Biemann (10c)

„Du kannst dich über alles und jeden aufregen, oder du kannst lachen. Man muss entscheiden, was für einen besser und gesünder ist.“ Udo Schurr, Bodypainter aus Mögglingen, hat allen Grund für diese entspannte Lebenseinstellung. Aktueller Stand bei dem Künstler, der kurz vor seinem 50. Geburtstag steht: zwei Mal Weltmeister und vier Mal Vizeweltmeister im Bodypainting in der Kategorie Airbrush. Der etwa 1,84m große Mann sitzt ganz locker auf einem Barhocker inmitten seiner Werkstatt und trinkt genüsslich Kaffee. Rings um ihn herum jede nur erdenkliche Farbe in kleinen und großen Fläschchen, Kunstwerke auf den Wänden, Leinwänden und Schränken. Dazwischen mehrere Airbrush-Pistolen, Klebeband und unzählige Schubladen, deren Inhalt wahrscheinlich einen ganzen Bastelzubehörladen füllen könnte. Im Hintergrund läuft leise Elektro-Musik. „Ich nutze gerne Musik zum Malen, höre viel Verschiedenes, alles außer Schlager oder Rap, je nach Bild, Thema und Stimmung“, meint Udo Schurr, die Brille steckt dabei lässig im Haar und seine dunkelgraue Jeansjacke ist leger geöffnet, um den Blick auf den Silberschmuck freizulegen. Er passt irgendwie zu und in diesen Raum, wie eine Art Gesamtkunstwerk. 

Angefangen mit dem Malen hat er mit sieben Jahren. Damals waren es noch Bleistiftzeichnungen, jedoch blieb sein Talent zunächst unentdeckt. Auch in der Schule erkannte es niemand, und „es gab im Fach Kunst auch mal eine 4 oder 5.“ Das änderte sich, als er seinen ersten Preis gewann. Für die 75-Jahr-Feier des TV Mögglingen 1982 malte er im Rahmen eines Schülerwettbewerbs ein Bild mit Buntstiften. Mit dieser Zeichnung gewann er den ersten Preis und schlagartig änderten sich nicht nur seine Kunstnoten, sondern sein Talent wurde auch mehr und mehr sichtbar. Damals versuchte er sich noch mit Karikaturen und Cartoons. Durch Bilder in Zeitschriften kam er dann auf die Airbrush-Methode (Maltechnik mit einer Spritzpistole), die ihn sehr ansprach und ihm Abwechslung bot. Einfach auf diversen Internetseiten suchen oder sich Videos auf YouTube anschauen konnte man damals noch nicht, und so besorgte er sich viele Bücher zu diesem Thema und brachte sich die Techniken selbst bei. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und er bekam alsbald seine ersten Aufträge. Die Wandgestaltung einer Pizzeria in Böbingen zählt zum Beispiel zu seinen ersten größeren Auftragsarbeiten. Jedoch war ihm das Malen auf Wänden und Fahrzeugen bald zu einfach und er fing an, Menschenkörper zu bemalen. Die Models waren sofort Feuer und Flamme und immer bereit für ein neues Kunstwerk. Er war natürlich nicht der erste, der dies versuchte, hatte aber schnell großen Erfolg. Mit einem Freund nahm er am World Bodypainting Festival teil, um andere Künstler zu treffen und belegte gleich beim ersten Antritt den dritten Platz. Daraufhin nahm er an weiteren Wettbewerben teil und erzielte immer bessere Platzierungen, bis es dann für die Topergebnisse bei den Weltmeisterschaften reichte. Und so statteten auch bereits prominente Kunden seinem Atelier einen Besuch ab, darunter mehrere VfB-Stars oder Mark Keller, bekannt aus „Alarm für Cobra 11“. Der Weg an die Spitze scheint unaufhörlich nach oben zu gehen, doch welche Ziele gibt es nun noch für den Mögglinger Künstler?

Sein Hobby gänzlich zum Beruf machen, dies ist ihm etwas zu riskant. Nachdem er die Hauptschule beendet hatte, begann er seine Ausbildung zum Tischler. „Die Arbeit mit Holz faszinierte mich damals“, lächelt er. Einige Jahre später begann er seine Arbeit bei ZF-Lenksysteme, heute Bosch Automotive Steering, die er bis heute in Teilzeit betätigt und als finanzielle Basis sieht. Das Bodypainting ist ein zweites Standbein und Freizeitbeschäftigung, von dem er nicht ganz abhängig werden will. Er befürchtet, dass er neben dem finanziellen Risiko seinen Perfektionismus und die Liebe zum Detail durch die Pflicht und den Druck zu malen verlieren könnte. Dann doch lieber als entspannten Ausgleich. Das Malen ist einfach seine Leidenschaft und es bereitet ihm unheimliche Freude, seine Kunden damit glücklich machen zu können. „Freiheit für meine Seele.“ Vielleicht ist es gerade diese bodenständige Leichtigkeit der Einstellung, die ihm den Erfolg beschert. Privat mag er es eher einfach und bescheiden. Seine Wohnungseinrichtung ist minimalistisch geprägt, er fährt Ford und engagiert sich für den Tierschutz. Angebote aus dem Ausland, wie z.B. den USA, hat er erst einmal abgelehnt. Er bleibt Mögglingen gerne treu und genießt weiterhin seine künstlerische Freiheit in der Freizeit. 


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